Münchner Erklärung in Leichter Sprache

Behindertenbeauftragte aus Bayern fordern Nachbesserungen

Im September 2020 haben sich viele Behinderten-Beauftragte aus Bayern getroffen.

Aber es war wegen Corona ein besonderes Treffen.

Das Treffen hat nicht in einem großen Saal stattgefunden.

Das Treffen hat nur digital stattgefunden.

Das heißt:

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind zuhause

vor ihrem Computer gesessen.

Oder in ihrem Büro gesessen.

Und haben über das Internet miteinander gesprochen.

So konnten sich alle besser vor Corona schützen.

Weil sie sich nicht in einem Raum getroffen haben.

 

Behinderten-Beauftragter ist ein wichtiges Amt.

Eine Behinderten-Beauftragte oder ein Behinderten-Beauftragter kümmert sich um die Wünsche von Menschen mit Behinderung.

Und um die Forderungen von Menschen mit Behinderung. Forderungen sind Wünsche, die man unbedingt erfüllt haben möchte.

 

Bei dem Treffen waren dabei:

  • Die kommunalen Behinderten-Beauftragten aus Bayern. Das sind die Behinderten-Beauftragten von den Städten, Gemeinden und Bezirken in Bayern.
     
  • Der Landes-Behinderten-Beauftragte von Bayern. Das ist der Behinderten-Beauftragte, der von der Regierung von Bayern bestimmt wird. Sein Name ist Holger Kiesel.

 

Bei diesem Treffen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Münchner Erklärung beschlossen.

Die Münchner Erklärung ist ein wichtiger Text.

Der Text heißt Münchner Erklärung, weil das Treffen in München gewesen wäre.

Aber wegen Corona konnte es in München nicht stattfinden.

 

Das waren die Ergebnisse bei diesem Treffen:

Die Bayerische Staats-Regierung hat viele gute Entscheidungen für Menschen mit Behinderung getroffen.

Das war auch in der Corona-Zeit so.

Die Corona-Zeit war für alle Menschen etwas Besonderes.

Niemand hat so eine Zeit schon mal erlebt.

Trotzdem war die Corona-Zeit für viele Menschen mit Behinderung besonders schlimm.

Gründe dafür waren zum Beispiel:

  • Viele Menschen mit Behinderung mussten in ihren Einrichtungen bleiben. Und konnten ihre Angehörigen lange Zeit nicht sehen. Mit Einrichtungen sind zum Beispiel Wohn-Heime für Menschen mit Behinderung gemeint. Angehörige sind zum Beispiel die Eltern oder die Geschwister von Menschen mit Behinderung. Deshalb hatten Menschen mit Behinderung oft wenig soziale Kontakte. Das heißt: Sie waren oft einsam. Und haben fast keine anderen Menschen gesehen.
     
  • In vielen Einrichtungen hat es zu wenig Personal gegeben. Und es hat zu wenig Schutz-Ausrüstung gegeben. Mit Schutz-Ausrüstung sind zum Beispiel Masken oder Gummi-Handschuhe gemeint. Außerdem hat es in vielen Einrichtungen zu wenig Desinfektions-Mittel gegeben. Ein Desinfektions-Mittel ist ein sehr scharfes Mittel zum Sauber-Machen. Mit Desinfektions-Mitteln kann man Viren töten. Viren sind kleine Teilchen, die man nicht sieht. Viren lösen viele Krankheiten aus. Zum Beispiel auch Corona.
     
  • In der Corona-Zeit haben viele Menschen mit Behinderung weniger Therapie bekommen. Eine Therapie ist zum Beispiel Kranken-Gymnastik. Das war für viele Menschen mit Behinderung sehr schlecht. Zum Beispiel, weil sie sich nicht mehr so gut bewegen konnten. Und deshalb mehr Hilfe gebraucht haben.


Corona ist aber noch nicht vorbei.

Deshalb gibt es immer noch viele Probleme für Menschen mit Behinderung.

Ein Problem ist zum Beispiel:

Viele Menschen mit Behinderung können keinen Mund-Nasen-Schutz benutzen.

Das ist zum Beispiel ein Stück Stoff.

Mit dem Stoff müssen Mund und Nase bedeckt sein.

 

Die Abkürzung für Mund-Nasen-Schutz ist MNS.

Viele Menschen mit Behinderung bekommen mit MNS nicht genug Luft.

Und haben Probleme beim Atmen.

Der Grund ist ihre Behinderung.

Oder eine Krankheit.

Zum Beispiel Asthma.

Deshalb müssen sie keinen MNS tragen.

Aber an vielen Orten will man Menschen mit Behinderung deswegen nicht hineinlassen.

Zum Beispiel:

  • In Geschäfte
  • In Restaurants (Restaurant spricht man Res-to-ro)
  • In Busse und Züge

Das ist nicht in Ordnung.

 

Diese Probleme muss man sehr ernst nehmen.

Und gute Lösungen dafür finden.

Die Behinderten-Beauftragten haben deshalb 8 Forderungen aufgeschrieben.

 

Das sind die Forderungen:

Menschen mit Behinderung müssen überall mitentscheiden können.

Und selbst mitbestimmen wie sie leben möchten.

Das muss auch in besonders schweren Zeiten so sein.

Und Menschen mit Behinderung müssen überall dabei sein können.

Und überall mitmachen können.

Dafür muss die Politik sorgen.


Die Regierung von Bayern muss klar sagen: Menschen mit Behinderung müssen keinen MNS tragen.

Wenn sie das wegen der Behinderung nicht können.

Im Moment gibt es dabei ein Problem.

Diese Regel steht schon im Gesetz.

Aber viele Menschen kennen diese Regel nicht.

Und sagen deshalb zum Beispiel: Menschen mit Behinderung dürfen ohne MNS nicht in mein Geschäft.

Oder beschimpfen Menschen mit Behinderung sogar.

Das ist nicht in Ordnung und muss geändert werden.

 

Es muss genug Schutz-Kleidung und Desinfektions-Mittel für Menschen mit Behinderung geben.

Und auch für ihre Helferinnen und Helfer.

Und Assistentinnen und Assistenten.

Schutz-Kleidung sind zum Beispiel MNS und Gummi-Handschuhe.

Das muss in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung so sein. Aber auch wenn Menschen mit Behinderung in einer eigenen Wohnung leben.

Dafür muss es auch mehr Grund-Sicherung geben.

Grund-Sicherung ist eine Hilfe mit Geld.

Jeder Mensch braucht genug Geld zum Leben.

Und dass er sich Essen und Trinken kaufen kann.

Wer dafür nicht genug Geld hat bekommt Grund-Sicherung.

Die Regierung von Bayern soll dafür sorgen.

Sie soll gemeinsam mit dem Landes-Amt für Gesundheit und Lebens-Mittel-Sicherheit dafür sorgen.

Die Abkürzung für Landes-Amt für Gesundheit und Lebens-Mittel-Sicherheit ist LGL.

Das LGL ist ein wichtiges Amt.

Es ist für die Gesundheit aller Menschen in Bayern zuständig.

 

Es muss überall auf die besondere Situation von Menschen mit Behinderung Rücksicht genommen werden.

Dies gilt vor allem auch in der Schule oder im Kinder-Garten. Genauso wie in der Tages-Stätte oder in der SVE.

SVE ist die Abkürzung für Schul-Vorbereitende Einrichtung.

Der Grund dafür ist: Manche Menschen mit Behinderung können keinen Distanz-Unterricht machen.

Mit Distanz-Unterricht ist das Lernen von daheim aus gemeint.

Zum Beispiel mit dem Computer über das Internet.

Zum Beispiel, wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer etwas erklärt. Und man sieht es nur über den Computer.

 

Die Schul-Begleitung muss es auch in der Corona-Zeit geben.

Schul-Begleitung heißt: Ein Kind mit Behinderung bekommt Hilfe durch eine erwachsene Person.

Die Person hilft ihm beim Lernen in der Schule.

Genauso wie beim Klo-Gehen in der Pause.

Auch bei Distanz-Unterricht muss es weiter Schul-Begleitung geben.

Auch zuhause bei den Schülerinnen und Schülern.

Auch wenn die Schul-Begleitung wegen Corona vielleicht mehr kostet.

Darum müssen sich die Bezirke und die Jugend-Ämter kümmern.

 

Es muss in allen Einrichtungen von Menschen mit Behinderung digitale Barriere-Freiheit geben.

Mit Einrichtungen sind hier zum Beispiel Wohn-Heime oder Schulen gemeint.

Digitale Barriere-Freiheit heißt zum Beispiel: Internet-Seiten müssen vorgelesen werden können.

Und auch Informationen in Leichter Sprache haben.

Auch blinde Menschen müssen die Internet-Seiten benutzen können.

Die Regierung von Bayern muss sich für digitale Barriere-Freiheit einsetzen.

Genauso wie Träger von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

Träger sind besondere Firmen.

Wohn-Heime sind Einrichtungen.

Und viele Wohn-Heime gehören zum Beispiel zu einem Träger.

Ein Träger ist zum Beispiel die Lebens-Hilfe oder die Diakonie.

Jeder Mensch mit Behinderung muss auch das Internet benutzen können.

 

Es muss alle Informationen über Corona in Leichter Sprache und in Gebärden-Sprache geben.

Gebärden-Sprache sprechen Menschen, die nichts hören können.

Oder nur noch sehr wenig hören können.

Die Gebärden-Sprache funktioniert mit Zeichen.

Man macht Zeichen mit den Händen und Armen.

Genauso wie mit den Fingern.

Auch bei Presse-Konferenzen soll es Gebärden-Sprache geben. Dafür soll die Regierung von Bayern sorgen.

Und auch alle Städte und Gemeinden in Bayern.

Genauso wie alle Land-Kreise und Bezirke.

Auch die Medien sollen dabei helfen, dass es diese Informationen gibt.

Medien sind zum Beispiel Zeitungen oder Fernseh-Sender.

Bei einer Presse-Konferenz informiert zum Beispiel ein Politiker über ein wichtiges Thema.

 

Alle Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Assistenz im Kranken-Haus.

Das heißt: Eine Begleit-Person darf im Kranken-Haus bei ihnen bleiben.

An dieses Recht müssen sich alle Kranken-Häuser und Kranken-Versicherungen halten.

Während Corona sind viele Menschen mit kognitiven Einschränkungen im Kranken-Haus sediert worden.

Sediert heißt: Sie haben Beruhigungs-Mittel bekommen.

Und haben dann ganz ruhig im Bett geschlafen.

Menschen mit kognitiven Einschränkungen sind zum Beispiel Menschen mit Lern-Schwierigkeiten.

Das darf nie mehr passieren.

So ein Verhalten verstößt gegen die Menschen-Rechte.

Die Menschen-Rechte sind sehr wichtige Regeln.

An diese Regeln halten sich die meisten Länder auf der Welt. Und das haben die Länder auch unterschrieben.

 

Die Behinderten-Beauftragten beantworten gerne

Fragen zu den 8 Forderungen.

Und sprechen gerne darüber.