Unternehmerabend: Welche Herausforderungen bringt die Energiekrise für Betriebe mit sich?

Veranstaltung fand erstmals wieder in Präsenz statt

Mit welchen Problemen sehen sich Unternehmen in Zeiten der Energiekrise konfrontiert? Im Zeichen dieser zentralen Fragestellung fand die jüngste Auflage des Unternehmerabends der Wirtschaftsförderung im Landratsamt Augsburg statt, der nach drei erfolgreichen Digitalformaten erstmals wieder in Präsenz abgehalten werden konnte. Der Veranstaltungsort war dieses Mal die MVV Industriepark Gersthofen GmbH. Als Diskussionsgäste begrüßten Landrat Martin Sailer und Moderatorin Kerstin Zoch den Geschäftsführer des Gastgeberunternehmens, Holger Amberg sowie Impulsrednerin Dr. Nina Reitsam, Geschäftsfeldleiterin Industrie und Innovation bei der IHK Schwaben. Ebenfalls Platz auf dem Podium nahmen Markus Last, Geschäftsführer von Erdgas Schwaben und Thomas Nieborowsky, der das Umweltkompetenzzentrum KUMAS leitet.

 

Landrat Sailer: „Es darf nicht an der Bürokratie scheitern“

An der Podiumsdiskussion beteiligten sich die rund 120 teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Landkreis sehr rege. In zahlreichen Wortbeiträgen machten sie deutlich, vor welche operativen und organisatorischen Probleme sie nicht nur die Energiekrise, sondern auch bürokratische Hürden stellen. „Unsere Landes- und Bundespolitik darf in der Energiekrise nicht in dasselbe Fahrwasser geraten, wie es bei der Coronapandemie der Fall war. Es darf nicht sein, dass pragmatische Lösungen und gesunder Menschenverstand hinter der Bürokratie anstehen müssen“, mahnte Landrat Martin Sailer unter Bezugnahme auf langwierige Genehmigungsverfahren und teils komplizierte Rechtsvorgaben. Ob sich der Aufwärtstrend der Energiepreise in absehbarer Zeit umkehren würde und ob man auf bezahlbaren Strom aus anderen Quellen als den konventionellen hoffen dürfte, konnte auf dem Podium nicht mit abschließender Sicherheit beantwortet werden. „Es ist anzunehmen, dass wir weder für den bevorstehenden, noch für den nächsten Winter echte Planungssicherheit für Unternehmen haben werden“, sagte MVV-Geschäftsführer Holger Amberg. Dabei sei es genau das, was Betriebe im Sinne ihres Wirtschaftens dringend bräuchten, erläuterte Keynote-Rednerin Dr. Nina Reitsam sowohl in ihrem Vortrag als auch im Rahmen der Diskussion: „Die Preisthematik und die Versorgungssicherheit sind die wesentlichen Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen konfrontiert sehen.“ Thomas Nieborowsky vom KUMAS-Kompetenzzentrum Umwelt sieht daher die dringende Notwendigkeit, dass die Politik die Energieversorgung in Deutschland diversifizieren müsse. Auch Wasserstoff als Energieträger könnte dabei mittelfristig eine Rolle spielen. „Realistisch betrachtet wird das aber frühestens in den 2030-Jahren der Fall sein, falls sich ein entsprechender Markthochlauf einstellt“, so Nieborowsky. Erdgas-Schwaben-Geschäftsführer Markus Last stimmte dieser Prognose grundsätzlich zu, schränkte aber ein, dass die Wasserstoffproduktion maßgeblich von der Verfügbarkeit anderer Energiequellen abhängig sei. Eine All-Electric-World – also eine Welt, in der elektrischer Strom alle Energiebedarfe decke – ist Last zufolge unwahrscheinlich. In Bezug auf die Energiepreise stimmte er die Unternehmerinnen und Unternehmer auf anhaltend schwierige Zeiten ein: „Perspektivisch werden wir vorerst nicht erleben, dass sich die Energiepreise auf das Niveau vor der Krise zurückentwickeln werden“, so Last.

 

Unternehmerabend des Landkreises ist ein bewährter Rahmen für den Erfahrungsaustausch

Trotz der schwierigen Thematik und der teils intensiven Diskussion zeichnete sich auch dieser Unternehmerabend dadurch aus, dass er den Gästen einen Rahmen zum Erfahrungsaustausch bot. „Obwohl unsere drei digitalen Unternehmerabende sehr gut angenommen wurden, freue ich mich, dass wir nun wieder persönlich zusammenkommen und miteinander ins Gespräch treten konnten“, bilanzierte Landrat Sailer den Abend. Neben den vielfältigen Informationen zum Thema des Abends durfte auch bei diesem Unternehmerabend die Unternehmensführung durch den Gastgeberbetrieb nicht fehlen. Für die Bewirtung sorgte das Team der Betriebskantine im Industriepark, wo der Abend mit Netzwerkgesprächen und fachlichem Austausch ausklang.